No ans

Kind 1 war noch ganz klein, also noch kleiner als jetzt, als er eines der wesentlichen Dinge des Lebens verstanden hat: das Smart Phone. Denn damit kann man nicht nur telefonieren, sondern auch Videos schauen. Und das am besten exzessiv. Damit hat der fast Vierjährige den Erkenntnisstand der gesammelten Besatzung der U6-Wagons. Und zwar egal zu welcher Tageszeit. Am liebsten würde K1 auch mit dem Telefon unter der Nase in der U-Bahn sitzen, und am Topf, beim Esstisch, im Bett. Wurscht wo, Hauptsache dass … Aber da gibt es ein kleines Problem. Und damit meine ich nicht so sehr den elterlichen Anspruch, dass das exzessive Konsumieren von Videos vielleicht doch irgendwie pädagogisch eher wertlos ist – mal davon abgesehen, dass es den Eltern wertvolle Auszeiten verschafft, in denen sie endlich Dringendes abarbeiten können (wie die eigene Körperhygiene, Wohnung putzen, Wäsche aufhängen, Kochen, Zeitung lesen (was war das noch mal?)). Das Problem ist, dass K1 nicht aufhören kann und auch nicht will. Sicher nicht. Und das in einer hochfrequenten Tonlage kommuniziert, die an die Hundepfeife erinnert mit der Hunde zur Raison gebracht werden – oder in diesem Fall die Mutter. “Mammaaaaa, kann ich noch ein …” hier bitte anlassgegeben einsetzten: “Zugvideo/ Autovideo/ Zeichentrickvideo? Mamaaaaa. Mamaaa. Du sollst weiterklicken. Mama, ich möchte das nächste.” Lässt man sich dann zermürben, nimmt er das Handy wie eine Hostie entgegen und verschwindet geistig im kleinen Rechteck des Displays. Aber irgendwann ist genug leider wirklich genug. Finde ich. Er aber nicht. Eine klare Pattstellung und doppelte Loose-Loose-Situation: K1 will einfach nicht aufhören. Er will “no ans”. Und danach – eh klar – “no ans”. Bekommt er einen abschlägigen Bescheid, meint er: “Aber ich woll nich. BITTE. Noch eins. Ich will jetzt noch ein Zug-Video, das war ja ein Zug-Video”. Und er unterstreicht seinen Standpunkt mit “Oja, ich will ein Zug-Video”. Inklusive Schreien, Weinen, Toben, Trotzen und dem Einholen einer Zweitmeinung (du sollst den Papa anrufen). Die Folge: Seinen kleinen Fingern das Handy zu entlocken und den Fokus auf andere Dinge des Lebens (Lulu gehen oder gar essen) zu legen, dauert noch einmal so lange, wie das Ansehen der Videos. Wieso wir uns das dann antun? Weil wir beratungsresistent sind. Haben wir wohl von ihm gelernt😉

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