Totalausfall

Unheilvoll hing er da, der Zettel. Die Worte sickerten eiskalt ins Gehirn und setzten sich in der Magengegend fest: “ Im Kindergarten sind Fälle von Magen-Darm-Grippe aufgetreten“. Also was tun? Kinder daheim lassen? Die nächsten Wochen? Bis der wässrig-übelriechende Kelch an uns vorüber gegangen ist. No Way! Mama muss arbeiten, Papa auch. Oma und Opa irgendwie auch … Also nix da. Jeden Tag drei Kreuze gemacht in der Früh und gehofft, dass nix passiert und alles gut geht bis zum Urlaub. Und ja, es schaut gut aus. Kinder gesund. Und morgen ist er da – der Tag der Abreise.  Die Sachen sind gepackt, die Kinder geschnäuzt, das Auto gesattelt. Alles bereit. Und genau in diesem Momenten meldet es sich, das Schicksal. Unbarmherzig. Gnadenlos. Gemein. Mit einem immer lauter werdenden, unheilvollen Geräusch: „Blubb. Blubber.“ Der Darm meldet sich geräuschvoll. Gar nicht gut – sagt das Bauchgefühl. Denn das Drama nimmt seinen Lauf. Magen-Darm-Grippe. Mit mir als Hauptdarstellerin. Unnötig zu sagen, dass ich für diese Rolle nicht gecastet wurde. Was tun? Was nun? Die Verzweiflung war groß, die Übelkeit noch viel größer. Da formte sich im dehydrierten mütterlichen Arbeitstiergehirn der rettende Gedanke: „Hilfe. Jetzt. Sofort.“ Denn Mama ist ein Totalausfall. Nix mit gemeinsamen, gemütlichen Frühstück, gemeinsamen Sit Ins am Klo, keine gefühlt Stunden dauernden Zähneputz-Tiraden und „Iiiiich bin müde, iiiiich zieh mich nicht selbst an“-Kämpfen. Also wenn ich so argumentiere, zieht mich trotzdem niemand an. Irgendwie hat es K1 da besser erwischt. Aber zurück zum Thema. Statt dem alltäglichen großen Trotz-Drama steht heute das Mantra des Tages auf dem Programm. Und das wird fleißig vorgebetet: „Mama ist krank. Mama hat einen Magen-Darm-Virus. Mama ist krank. Mama hat …“. Blablabla wie K1 immer so schön sagt. Der Effekt: Die Kids sind angepisst. Denn: Das Service heut ist miserabel, das Frühstück auch nicht nach ihren Wünschen. Ja, das Leben ist nicht fair, Jungs … Und nehmt es bitte wörtlich, aber nicht persönlich: Die Situation kotzt auch mich an. Und genau deswegen die Erkenntnis: Die Kids müssen weg hier. Und zwar sofort. Sonst geht es ihnen auch bald schlecht. 1. Weil sie sich 100 % anstecken, bei dem akademischen Interesse an meinen Körperfunktionen. 2. Weil manche Situationen einfach nicht zum Lernen durch Beobachtung ausgelegt sind. 3. Weil ich jetzt echt keinen Bock auf Spielen hab, oder auf lesen, oder auf zuhören, oder auf  … irgendwas. Also bleibt nur noch eines. Die letzte Rettung sozusagen. Daher: Den Notfallsknopf am Handy gedrückt  – die eine, die einzige Nummer, die in einem solchen Fall helfen kann. Die Nummer  … tataaaaa … von Oma und Opa. Und genau gewusst. Die Kavallerie kommt so schnell es geht die 800 Meter Fußweg. Sie waren in Rekordzeit da. Nach nur 1 1/2 Stunden. „Blubb“ machte der Bauch freudig zur Begrüßung.

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