Bitte einmal kurz die Hosen runter lassen …

Mit manchen Dingen lässt man einfach irgendwie die Hosen runter. Digital zumindest. Und ich finde, die Frage, mit der Frida Mercury von 2KindChaos zur #Blogparade aufgerufen hat, ist genau so ein Ding. Denn beim Thema „So hab ich mich mit Kind verändert“ – da geht’s schon richtig ums Eingemachte. Und ich liebe sowas 😉 also gleich in die Tasten gehaut, als gäbe es kein Morgen und gleich (naja ehest möglich) mitgemacht.

Denn eine Geburt ist viel mehr als ein Kind rauspressen oder sich rausschneiden lassen. Es werden nämlich immer gleich zwei neue Menschen geboren – mit dem Kind die Mutter. Und wie das Kind ist auch die Mutter ein „Mängelwesen“, um sich mal kurz den Begriff von  Arnold Gehlen aus der philosophische Anthropologie auszuborgen. Doch hier ist es weniger theoretisch, mehr alltagsproblematisch. Der erste Mangel zeigte sich schon beim ersten Quengeln mit der Frage der Umwelt – egal ob von Krankenschwester, Oma oder von wildfremden, pädagogisch spätberufenen Frauen in Wiens öffentlichen Verkehrsmitteln: „Warum schreit das Kind? Was hat es?“ und meiner eigenen Ratlosigkeit. Woher soll ich das wissen, es redet nicht mit mir … ähm …. Und so ging es weiter. Damit ich auch ja nicht vergaß, dass ich jetzt Mutter war, manifestierte sich die Mutterrolle auch optisch – als Speckrolle an Bauch und Hüften. Schlaffheit pur. Gepaart mit an Pandabären erinnernden Augenringen in XLarge-Format. Kein Wunder, dass Verwandte und Freunde mir nicht mehr in die Augen, sondern auf die Milchtanks schauten und nicht mich, sondern das Kind begrüßten und mich zum Rapport riefen. Wie viel  hat es gegessen? Wann? Was? WAAAAAAS, das darf es noch nicht? WAAAAAAAAAS, es schläft nicht durch. Bla bla. Am besten Sekundenschlaf üben, wenn die grummeligste Schwiegermutter von allen meint, als Mutter der vorherigen Generation plötzlich am Anfang der Nahrungskette zu stehen und das Kommando zu haben. Und die dann ohne ein blaues Auge davon kommt, wenn sie so Sachen vom Stapel lässt, wie: „Hast du eine Ahnung“ – damals, als es darum ging, dass Babys keinen Honig bekommen sollen und dass sie nicht NUR Pudding essen sollen. Auch immer noch Nummer 1 auf meiner Negativ-Hitparade: „Du bist eine gute Milchkuh“ – im Angesicht der Brüste. Auf Nummer 2:  „Wir hatten damals auch keinen, der uns die Kinder abgenommen hat …“. Dazu dann noch der soziale Notstand, weil mit kleinen Kids nicht mal mehr telefonieren drin ist. Aber das sind gar nicht die größten Veränderungen …

mit_kind_veraendert

Hier ist meine persönliche Top 3 der größten/ schrägsten/ traumati- äh dramatischsten Veränderungen.

  1. ist wohl die größte Veränderung: ich bin ent-verliebt.

Keine Angst, der hasigste Ehemann von allen wohnt noch da – aber wir sind kein turtelndes Liebespaar mehr, dass sich mit Rosen, Alkohol oder Käsekrainern überhäuft, sondern ein Ehe- und Elternpaar in den 40ern. Gefühlt eher Ende 50. Schnarch. Nix mehr mit „Wir-Zwei-gegen-den-Rest-der-Welt-Gefühlen“, zärtlichen Abenden und Treffen mit anderen Paaren, eher geben wir uns jetzt den Rest und schenken uns im Alltag nichts mehr. Ja, wir sind eine Kinderbewältigungs-Alltagsorganisations-Selbsthilfegruppe mit „Jeder-rettet-sich-selbst-Tendenzen“, chronischem Schlafdefizit und daraus resultierender schlechter Laune. Und wenn dann auch noch die Zahnpasta aus ist, die Teekanne leer oder sonst was, dann gibt‘s verbal eine auf die Nüsse.

  1. ist am schrägsten: Ich bin mutiert.

Zum Glück ging es mir nach der Geburt von K1 nicht wie Jeff Goldbloom, der sich langsam in eine Fliege verwandelt hat, aber schon ein bisschen wie Hulk. Denn ich hab jetzt auch irgendwie Mama-Superkräfte. Vor K1 und K2 hab ich Gläser fallen sehen. Jetzt kann ich sie oft noch im Flug stoppen. Auch Kinder hab ich schon im Fallen – vom Hocker, vom Tisch – aufgefangen. Mit links sozusagen. Denn statt der zarten feingliedrigen Fingerchen von einst hab ich heute starke Pranken, die Hippgläschen und co mit dem kleinen Finger öffnen und einen starken rechten Arm. Zum Anlehnen. Und zum 17-kg-Kinder tragen.

  1. ist wohl am dramatischsten: Ich bin zu nah am Wasser gelandet.

Viel zu nah. Wäähhh. Heul. Rotz. Schluchz. Und das nervt echt. Denn wenn irgendwo von einem traurigen Kinderschicksal berichtet wird – egal ob über facebook, Fernsehen oder in einem Roman, dann brechen alle Dämme. Alle. Rotz. Flenn. Plärr. Früher war das ganz anders, da war das Mitleiden auf einer ganz anderen Ebene angesiedelt – war mehr ein rationales Verstehen und Verständnis, kein emotionales Nachempfinden mit der Horrorvorstellung, dass das auch mein Kind sein könnte. Entschuldigen Sie, ich brauche ein Taschentuch …

#Mamasein #Blogparade #Familienleben #Mumcool

4 Kommentare zu „Bitte einmal kurz die Hosen runter lassen …

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