Weihnachten kann weg!

Weihnachten will ich nimma. Echt nimma. Nicht, weil einem im Dauerschleife „Last Christmas“ und  die unglückliche Liebesgeschichte von irgendwem vom vergangenen Weihnachtsfest aufs Trommelfell gehaut wird. Und auch nicht, weil gefühlt seit Ostern die Advent-Märkte offen haben. Auch nicht, wegen des Konsumterrors und der zusätzlichen Kalorien, die man in sich rein stopft, weil man die Kekse der Arbeitskolleginnen verkosten und Punsch mit Freunden saufen muss.

Nein, ich  hasse Weihnachten, weil es nicht hält, was es verspricht. Groß angekündigt als Fest der Familie ist es nämlich hier und heute vor allem eines: ein Fest für die Trumps dieser Welt und alle, die es sein wollen. Ein Fest für weiße Männer der Mittelschicht, die rückwärts gewandten Utopien nachhängen und im Punschduft leise vor sich hin säuseln: „Früher war alles besser, so soll es wieder werden“. Nicht umsonst erfreut sich der Slogan „Make America great again“ großer Beliebtheit – jetzt kann man ruhig auch sagen: „Make Weihnachten great again“. Und in diesem Kontext bekommt auch der Ausdruck „weiße Weihnachten“ eine neue Bedeutung. Aber zurück zum Thema Weihnachten ….

Dem Fest, das alte tradierte Rollenmuster festigt: Die Frau und Mutter, die mit ihrer  (am besten blonden und blauäugigen) Kinderschar Kekse bäckt, sich das Weihnachtsessen überlegt, einkauft, zubereitet und die Wohnung putzt. Ein Lobgesang auf die 50er und ihre verbohrten Ansichten über Frauen am Herd, die heute noch düstere Schatten werfen. Nicht umsonst feiern wir die Geburt eines Kindes, das aus einer angeblich unbefleckten Empfängnis hervorgegangen ist. Und auch hier steht nicht die Mutter im Vordergrund, sondern der, der es gemacht hat: Gott. Es ist sein Sohn. Kenn ich irgendwie. Auch der hasigste Ehemann von allen ist fest davon überzeugt, die Kinder habe primär er gemacht. Mein Beitrag war da aus seiner Sicht eher gering. Meint er. Ein Fest, das – zumindest bei mir – keine rührselige Stimmung aufkommen lässt, sondern mich mürbe macht. Mit Mürbteig und Rührkuchen.

Ein Fest, für das ICH allein die Geschenke überlegen, besorgen und natürlich einpacken muss. Für Opa, Oma, Neffen, Kinder und Freunde. Wieso? Weil der Mann an meiner Seite mir da unverbindlich aus dem Weg geht. Wahrscheinlich lässt er mir hier meinen Freiraum. Vielleicht hat er aber auch weder Zeit noch Lust dazu. Und wundert sich dann, warum sein beliebtestes Nicht-Nur-an-Weihnachten-Geschenk – „Make Penis great again“ – wohl gerade aus ist. Wohl Lieferschwierigkeiten wegen Weihnachtsstress und so … Denn was bei mir so aufkommt ist das Gefühl, ein Einzelkämpfer zu sein. Nächstenliebe und familiärer Zusammenhalt funktionieren irgendwie anders, dache ich. Doch mit dieser Ansicht steh ich wohl allein da. Und nicht nur mit dieser Ansicht, auch sonst. Denn es kreist generell nicht nur alles um das Fest der Feste, sondern auch alle um sich. Ja, ich habe das Gefühl, endlich kann sich jeder mal so wichtig nehmen, wie er das ganze Jahr über sein will und das Ego mit ganz vielen Terminen aufpeppen. Weihnachten, das Fest der Egomanen und Egozentriker.

Ein Fest, das nicht nur zelebriert, sondern vor allem inszeniert wird. Auf Twitter. Auf Instagram. Auf Facebook. Fotos von Keksen, Adventkalendern und Adventkränzen wachsen da wie Obst auf den Bäumen. Warum? Wohl weniger, um andere an seinem Leben teilhaben zu lassen, wirklich in Kontakt zu treten, sondern eher mehr, um die Grenzen der Normalität auszuhandeln. Was geht. Was nicht. Was geht gar nicht. Wann ist man eine gute Mutter – denn die Frage, nach dem guten Vater stellt sich im digitalen Blätterwald auch zu Weihnachten eher nicht. Daher fand der Hashtag #adventkalendergate regen Zulauf.  Da prallten Fronten aufeinander: Verfechterinnen von gekauften Kalendern battelten sich mit Anhängerinnen der DIY-Fraktion. Ein wahrer Glaubenskrieg, den „Mama notes“ erschöpfend zusammengefasst hat.

Und auch ich. Ich bin erschöpft. Doch ich weiß, ganz Merkel-mäßig: „Wir schaffen das“. Auch Weihnachten geht irgendwann vorbei. Und dann werde ich singen: „Last Christmas“ und „Oh du fröhliche“. Ich zähle die Tage, die Stunden, die Minuten. Und die Zeit, die arbeitet für mich. Fast ein Weihnachtswunder.

So. Und jetzt geh ich Kekse backen. Humpf.

23 Kommentare zu „Weihnachten kann weg!

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  1. D A N K E !!!
    Das ist der Grund, wieso ich Weihnachten in den letzten 16 Jahren aus tiefstem Herzen verabscheute. Dieses Jahr ist das erste, an dem ich mich wieder darauf freue. Wohl der Kinder wegen. Aber vor allem, weil wir diese ganze Scheisse nicht mitmachen. Es gibt pro Kind 3 (!) kleine (!) Geschenke, damit machen wir uns auch keinen Stress und für die Großeltern gilt: 1 (!) Geschenk pro (!) Kind und dann ist Schluss. Wir werden ganz viel Zeit als Familie verbringen und einfach keinen rein lassen, werde die Filme gucken die wir gut finden. Auch wenn sie pädagogisch nicht sonderlich wertvoll sind. Und: wir spenden. Sehr viel. Und unsere Geschenke sind spenden. An arme Kinder, an Kinder in Kriegsgebieten, an Tiere. An alles, was mir auf dem Weg entgegen kommt. Ach ja, und es gibt Kartoffelsalat und Würstchen. Das kann der Mann nämlich alleine machen, ganz ohne mein Dazutun.
    Und nur so geht es, nur so ertrage ich dieses unsägliche Fest.

    Ich hoffe für dich, dass es schnell und unspektakulär zuende geht 🙂

    HALTE DURCH!!

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  2. Und warum änderst du dann nicht dein weihnachten? Bzw eigentlich deine Adventzeit? Über die schreibst du ja eigentlich und nicht über Weihnachten selbst?
    Wenn es dich stört musst du es ändern und nicht alle anderen dann geh halt nicht auf christkindlmärkte oder weihnachtsfeiern. Verbring den Advent stressfreier.

    Ich find dieses absuddern mittlerweile furchtbar nervig alle beschweren sich wir stressig und nervig die vorweihnachtszeit ist und trotzdem spielen alle mit. Warum?

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    1. Hallo Claudia, schön dass du dir die Zeit genommen hast,meinen Artikel zu lesen und zu kommentieren. Zu deiner Frage, warum ich mein Weihnachten nicht ändere, wenn es mich in der aktuellen Form nervt: ich glaube, das ist ein Lernprozess. Altes muss mal hinterfragt werden, bevor man es ändert. Wird nächstes jahr sicher anders. Und bezüglich sudern. Gerade wir Wiener haben das perfektioniert. Aber das ist eine andere Geschichte. 😁

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  3. Sehr geil geschrieben – mitten in mein Herz getroffen. All dieses oberflächliche Getüdl mit der welche-Mutter-macht-mehr-selber-Challange. Keiner redet darüber, dass die Nacht zum Tag wird, weil dann ja frau arbeiten muss. Mein Weihnachten wird heuer definitiv anders. Meine Mama ist vor drei Monaten unerwartet verstorben. Sie hat sich besonderns zu Weihnachten immer geopfert – ich hab gesehen wo das hinführt. Das mach ich nicht mit – ich bastel egoistisch an meiner Karriere weiter, vielleicht erfüllt ja genau mir das Christkind heuer meinen Wunsch.

    Gratulation – generell cooler Blog.

    lg Martina

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    1. Hallo Martina, ich finde es toll, dass dir der Beitrag gefällt,solch Rückmeldung en gehen runter wie heißer Punsch. Dass deine Mutter gestorben ist, tut mir sehr leid und ich glaube, du hast recht:Sich aufzuopfern ist wirklich nicht der Sinn von Weihnachten.

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  4. Ui, das hast du aber mit ordentlich Rauch in den Nüstern geschrieben 😉 hoffe es hat geholfen 😊.
    Von mir aus muß Weihnachten auch nicht sein. Ich schaffe es aber auch nie, mich um all die Dinge herum zu drücken, die mich alle Jahre wieder nerven.
    Ich habe aber ein Ritual, nur für mich: alljährlich Heiligabend spät, wenn keiner mehr was von mir will, schau ich den alten Schwarzweiss Schinken „Ist das Leben nicht schön“ – und dann bin ich mit Weihnachten versöhnt
    Wünsche dir trotz allem eine schöne Zeit 😊
    LG, Bettina 🙋

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  5. Achtung es folgt Mansplaining: Rede doch mal mit deinem Mann, Stichworte ergebnisoffen und auf Augenhöhe. Viele Männer HASSEN Weihnachten und sind der Meinung, dass das Fest nur mit sehr viel Alkohol zu ertragen ist. Hauptgrund: Alle Frauen sind drei Wochen vorher schon immer am hyperventilieren und durchdrehen. Ich für meinen Teil brauche weder 20 verschiedene Plätzchen, einen perfekt durchgestylten Christbaum und auch keine Millionen von Geschenken.

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    1. Hallo marcio,
      natürlich rede ich mit meinem Mann. Und nicht erstnach Weihnachten, sonst wären wir auch nicht so lange verheiratet. Was mich aber trotz Reden stört ist die Verteilung der Rollen und Zuständigkeiten. Vor den Kindern war das alles partnerschaftlicher, jetzt kommt es zur Tradierung alter Rollenmuster. Vor allem an Festen wie Weihnachten.

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  6. Kann es sein, das du wirklich mit allem überfordert bist? Ich wüsste nicht, was an Wheinachten jetzt so stressig ist und warum du die Rassisten und Sexismuskeule schwingst.

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      1. Doch, habe ich. Und weiter? Desweiteren Arbeite ich 50 Stunden in der Woche. Und weiter? Weist du, wenn du überfordert bist oder einfach nur faul, dann ist das dein ding, aber kritisiere doch nicht, was so viele Menschen mögen, vor allem nicht auf so einem niedrigen Niveau. Das ist erbärmlich.

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    1. Hallo Claudia,
      Weihnachten war stressig, aber im großen und ganzen ok. Das, was mir am meisten zu schaffen gemacht hat, war Baum, Wohnung und Essen zu schupfen, ohne dass 1. die Kids mitkriegen, wer bei ums das Christkind ist, 2. alles aufgeräumt bleibt (K1 ist 4, k2 ist 3 Kahre alt) und 3. alles rechtzeitig fertig ist. Ich muss dazu sagen, dass ich noch nie so gut vorbereitet war. Was aber garnicht genial war, war der 26. – weil trotz Absprache die Großeltern erstens zu spät kamen und zweitens darauf bestehen, dass die Kids die Geschenke bei ihnen bekommen. Dafür war es mit derubrigen Familie nett. Trotzdem werde ich für nächstes Jahr von 4-Gänge-Menü auf kaffeejause umsteigen.

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  7. „Ein Fest für weiße Männer der Mittelschicht, die rückwärts gewandten Utopien nachhängen und im Punschduft leise vor sich hin säuseln“.

    Das klingt ehrlich traurig, wenn die Aussage ernst gemeint ist, und kein Stilmittel der Überspitzung.

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  8. Noch mehr mansplaining: Mach das Fest platt! Jedenfalls in dieser Form. Das ist ja eine Zumutung sondergleichen. Den Baum kann der Mann besorgen, Geschenke gibt es NUR für die Kinder. Familienbesuche auf ein Minimum reduzieren (oder schon im Vorfeld erledigen) und das Essen abrüsten. Kein Mensch braucht drei Tage Festessen. Gebacken wird entweder gemeinsam oder gar nicht und putzen ist Sch*****egal.

    Aber sei ganz ehrlich zu dir selber und überlege, in wie weit dir dabei deine eigenen Ansprüche an Weihnachten im Wege stehen.

    Ungefragt unsere Arbeitsteilung:
    Baum kaufen? (Mann, also ich)
    Baum schmücken? (Kinder)
    Plätzchen backen? (der Sohn mit sechzehn, sic!)
    Einkäufe Supermarkt? (Frau)
    Einkäufe Wochenmarkt incl. Vorbestellungen? (Mann)
    Kochen? (Mann)
    Tisch decken u.ä.? (Kinder)
    Geschenke Tochter? (Frau)
    Geschenke Sohn? (Mann)
    Geschenke Erwachsene? (entfällt)

    Ansonsten waren wir jeden Tag länger draußen und haben gestern eine schöne Wanderung unternommen.

    Genug angegeben!

    Wünsche dir gutes Gelingen bei der Neugestaltung.

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    1. Hallo Rano,
      Ich glaube nächstes Jahr werden wir das auch so machen. Oder so ähnlich. Denn die kids sind erst 4 und 3 Jahre alt. 😁 was ich aber abschaffen werde ist das zusätzliche Feiern mit Geschenken und Lesung und Riesenmenü am 26. War nicht wirklich weihnachtlich.

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