Der Koffer so schwer, das Kind so leicht

K2 zieht aus. Für die nächsten paar Tage. Und mir stellte sich gestern die Frage aller Fragen. Die eine, an der ich ohnehin immer und ständig scheitere. Die Frage: „Was soll ich einpacken?“ Gleich gefolgt von: „Was braucht ein Kind für vier Tage?“

Wie immer nahm ich diese Fragen zum Anlass, um mal kräftig zu transpirieren. Schweißattacken Deluxe sozusagen. Ist als handlungspraktische Bewältigungsstrategie nicht nur nicht geruchlich ganz einwandfrei, sondern leider auch gar gar gar nicht lösungsorientiert. Also was tun? In meiner Not habe ich zu Plan H gegriffen: H wie Hase. Ehehase. Und so hatte ich den hasigsten Ehemann von allen in Null komma Josef, äh Nix, herbei zitiert und ihm die Frage aller Fragen gestellt. Und siehe da, er wusste Rat und Tat. Die Antwort ward gefunden, der Trolley gefüllt, ja überfüllt mit: 3 Pyjamas, 6 T-Shirts, 5 Jogginghosen, 6 Unterhosen, 4 Paar Socken und ur vielen (gefühlt 100) Nachtwindeln. Doch das war noch längst nicht alles. Auch die Schlapfen wurden nicht vergessen. Und auch nicht den „Tiger“ – eigentlich ein Jaguar-Stofftier von WWF, aber das lassen wir mal als Tiger gelten, auch wenn der WWF sich das sicher im Grab umdrehen würde. Für mein mütterliches Herz fällt das noch voll in die begriffliche Schwankungsbreite. Zumindest bei 3jährigen. Der Trolley war inzwischen voll. Übervoll. Und eine zweite Tasche musste her. Und dort hinein auch noch Filzstifte, Buntstifte, Zeichenpapier, Spielzeugautos, Feuerwehrmann Sam-Figur, Mr. Steele, Tom und Norman Price samt Hubschrauber und Rettungsschlaufe, 2 Playmobilritter mitsamt gesatteltem reitbarem Untersatz. Und auch der LED-Nachthund durfte im K2-Gepäck nicht fehlen – damit er ihm leuchtet, wenn er Angst hat und Schmerzen. Damit sich K2 nicht so allein fühlt.

Denn – und jetzt bitte die Taschentücher zücken – K2 muss für ein paar Tage weg. Ohne mich. Und ohne K1. Aber zum Glück nicht allein. Denn der hasigste Ehemann von allen wird bei ihm sein – rund um die Uhr. Und es werden harte Tage, das ist jetzt schon gewiss. Umso härter, die Zwei gehen zu lassen. Den Mann mit der Tasche und das Kind mit dem roten Trolley, der viel älter als das Kind ist, vollgepackt mit Kleidung und Spielsachen. So schwer, den Trolley zu packen. So schwer, ihn zu sehen. So schwer das Herz. So schwer der Gang ins Krankenhaus. Und das Kind, so klein und leicht, so perfekt zum In-den-Arm-Nehmen und zum Kitzeln, so vertrauensvoll beim Abschied – das Kind fehlt. Hier. Daheim.

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