Top-10 der größten Kindergarten-Fehler

Die Ks sind schon alte Hasen im Kindergarten. Die beiden Jungs gehen ja schon seit Jahren und das zum Glück meist auch gern in den Kindergarten. Aber auch wenn die Ks wissen, wie der Hase läuft, bei mir hat die Erkenntnis über manches etwas länger gebraucht, um zu sickern. Nicht Wochen, sondern ähm Jahre. Hier die Top-10 der Schuppen, die mir in Bezug auf die Kommunikation mit anderen Eltern, Kindern und KleinkindpädagogInnen von den Augen gefallen sind:

  1. „Wir müssen uns mal wieder treffen – damit die Kinder spielen können“. Ja, is klar.  Oder? ODER? Leider nicht so ganz. Denn hier gibt es einen massiven Unterschied zwischen Denotat und Konnotat. Also zwischen dem, was gesagt und dem, was gemeint wird. Denn das ist gefinkelt. Wenn gleich darauf ein Termin vereinbart wird, dann ist das, was gesagt wird, auch so gemeint. passiert das nicht, ist etwas ganz anderes gemeint, nämlich: „Ich finde dich grundsätzlich nicht unsympathisch und signalisiere per unverbindlicher Willenserklärung, dass ich mich grundsätzlich gerne mal mit euch treffen würde. ABER. Aber ich habe entweder keine Zeit oder es ist mir eigentlich zu mühselig.“
  2. „Bei K1 (oder K2 oder beiden) ist das Auge ein bisschen verschmiert. Hoffentlich wird das keine Bindehautentzündung?“ Vorsicht Falle. Wer hier brav rückmeldet, dass das Kind übers Wochenende eine Entzündung hatte, jetzt aber eh schon die Antibiotika-Augentropfen wirken, der kriegt keinen Einser für die gute Mitarbeit. Sondern sein Kind mit nach Hause und darf erst mit ärztlicher Bestätigung wieder aufkreuzen. Grundsätzlich empfiehlt sich die Grundhaltung: „Mein Kind ist immer gesund. Zumindest so lange, bis das Gegenteil einwandfrei bewiesen ist.“ Also so bei 39 Grad Fieber, Ausschlag oder wenn der Durchfall durch den halben Kindergarten spritzt … Machen die anderen Eltern garantiert so, sonst würden manche Vieren und Bakterien nicht fröhlich Ringelreia spielen. Über WOCHEN.
  3. „K1 (oder K2 oder beide) waren heute ganz schlimm/ haben nicht weggeräumt/ nicht gehört“. Aha. Was soll ich da jetzt machen? Ich bin – zum Glück – nicht mit im Kindergarten und damit auch nicht dauernd am Mann, bzw. Kind. Also diesen Kindergarten-Spam einfach ignorieren und damit es etwas sozial verträglicher rüberkommt: Kurz mal nachfragen, was passiert ist. Oje und aha murmeln, lieb lächeln. Engramm löschen. Die Neuronen können anderswo besser eingesetzt werden.
  4. „Der K1 (oder K2 oder beide …) hat mich gehaut/ an der Hand gezerrt/ war schlimm“. Alarm. Alarm. Wenn andere Kids herkommen und petzen, dann bist du am Arsch. Aber sowas von. Denn mit denen kann man nicht reden wie mit einem normalen Menschen. 1, weil es Kinder sind und keine Erwachsenen und 2., weil die Kleinen ja eine gewisse Intention verfolgen und sich Satisfaktion für die schändliche Tat erwarten. Kreuzigung, Teeren und Federn oder so. Geht aber nicht, weil die Ks in der Produktion durch ziemlich aufwändig waren und diese Art der Bestrafung wenig Lerneffekt nach sieht zieht. Weil Kind dann tot. Also … ähm. HILFE. Am besten durch die nächste, greifbare Kleinkindpädagogin/ die nächste männliche Kindergartentante und mal nachgefragt, was denn los war. Und sich dann dahinter verschanzen. Lieb lächeln. Aha. Nicken. Und tschüss.
  5. „Die X und der Y haben mich heute nicht mitspielen lassen und waren gemein. Ich war dann ganz traurig.“ Manchmal klagen die Ks am Abend vor dem Einschlafen ihr Leid. Beziehungsprobleme. Am liebsten würde ich da aufspringen, zum Telefon greifen und die Eltern des fiesen Balgs zusammenstauchen. Auf Handtaschengröße. Aber ich  habe da den schweren Verdacht, das ist nicht soooooo optimal. Ebenso wenig wie, das Kind mit Schimpfworten upzudaten a la „das ist eine Zicke“, „so ein blödes Balg“, „mit dem Arsch brauch/ der Nachgeburt brauchst du nicht mehr zu spielen“. Statt dessen: Trösten. Zuhören. Atmen. Und darauf hoffen, dass das Karma irgendwann zurückschlägt. Hoffentlich hart und schmerzhaft.
  6. „Der Y ist nicht mehr mein Freund.“ Meist kommen die Ks genau in dem Moment zu der Erkenntnis, wenn die Eltern vom Y – oder noch schlimmer, die Eltern vom Y und der Y – gerade anwesend sind. Da bricht in mir leise Panik aus. Keine gute Idee: Mit dem Kind über das Wesen von Freundschaft diskutieren. Weil: Die Ks sind stur. Auch nicht gut: Sich beim Y oder bei dessen Eltern rechtfertigen. Denn wer sich rechtfertigt, der gibt zu, etwas verschuldet zu haben. Nie nie niemals machen. Sonst fühlt sich die gegnerische Partei auch noch darin bestätigt, gekränkt sein zu dürfen. Viel besser: „Oh. oje“ in Richtung Kind murmeln. Und die Eltern vom K anlächeln und „Kinder“ murmeln. Gut wirkt hier auch noch ein Achselzucken. Und nie mehr drüber reden … einfach ausblenden.
  7. „Ihr Kind hat ein anderes gekratzt/ gebissen/ gehaut/ getreten“. Alarmstufe Rot. Jetzt ist Fingerspitzengefühl angesagt und mehr Informationen. Also nachfragen und sich die Situation schildern lassen. Und dann zum Gegenangriff ansetzen: „Wo waren denn die Kindergartentanten und -onkel? Was ist denn passiert, dass sich mein kleiner Schatz nur handgreiflich wehren konnte? Sind Sie denn überhaupt in emotionalen Kontakt mit dem Kleinen – in der Krabbelgruppe war er nie so? Was gedenken Sie zu tun, damit das nicht mehr vorkommt?“ Und dann zuhören, nicken …
  8. „Kommen Sie bitte und holen Sie Ihr Kind. Es hat Fieber. War es denn heute morgen noch gesund?“ Ich liebe es. Da hilft dann leider nichts, außer kommen und abholen. Und atmen. Und Betreuung organisieren. Und die Unterstellung, dass das Kind schon krank war, ignorieren. Und von sich abprallen lassen. Kein Anschluss unter dieser Nummer.
  9. „Gehen wir mal auf den Spielplatz.“ Wenn ein anderes Elternteil eines anderen Kindes das sagt, heißt das nicht: „Das Wetter ist so schön. Lass uns die Kinder mal lüften“. Sondern: „Treffen wir uns mal. Auf neutralen Boden. So sympathisch seid ihr nicht, dass ich euch gleich in meine Wohnung einlade. Aber wenn ihr brav seid, vielleicht dann …“ Also brav sein, kompetent wirken.
  10. „Ist der K2 schon sauber/ schläft er schon durch/ hat er noch einen Schnuller/ wie macht ihr das, wenn das Kind mit drei Jahren noch in die Windel kackt?“ Egal, was andere Eltern fragen oder beichten: Hier ist Vorsicht geboten. Denn das zarte Pflänzchen einer Kindergartenfreundschaft lässt sich sehr leicht durch unbedachte Kommentare zertreten. Niemand will hören, dass sein Kind weit außerhalb der Norm ist oder immer schon komisch war und dass eigentlich eh an allem immer die Mutter schuld ist. Also auch hier: Ratschläge sind unerwünscht. Es geht um die Versicherung, dass das Kind eh normal und super ist und sich alles auswächst. Immer.

Also: Wie geht’s uns und den Kids? Super. Immer. Aus Prinzip. Und wir lieben alle. Immer. Aus Prinzip. Und nur in ganz schwachen Momenten haben wir ganz süße, keine Vodoopuppen von den schlimmen Kindern im Kindergarten, die den Ks das Herz brechen und sie tief kränken. Aber die Puppen sind süß. Ehrlich.

3 Kommentare zu „Top-10 der größten Kindergarten-Fehler

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s