Alles Gute zum Muttertag

Am 14. Mai ist Muttertag. Und seit Wochen gehen die Medien über vor guten Ideen zum Muttertag. Ein Parfum für die beste Mama der Welt da, ein Packerl Pralinen hier. So super. Und die Mamas freuen sich – auf ihren Tag. Ich freue mich nicht. Ja mehr noch, mir kann der Tag nicht nur gestohlen bleiben, ich mag ihn nicht. So richtig nicht. Durch und durch zuwider ist er mir. Hier die Gründe …

Brot und Spiele: Torte, Frühstück und Parfum für Mama.

Wenn ich die Werbeanzeigen in den österreichischen Medien zum Muttertag sehe, wenn ich so höre, was auf Ö3 so zum Muttertag angepriesen wird und wenn andere Muttis – mit glänzenden Augen wie kleine Kinder vorm Weihnachtsbaum –  von „ihren Tag“ erzählen, dann denke ich an an „Panem et circenses“ – also nicht die Tribute von Panem, sondern an Satire „Brot und Spiele“ des römischen Dichters Juvenal. Ich erkenne da leider leider leider massive Ähnlichkeiten zwischen dem von Kaiser Augustus entmachteten römischen Volk, das eigentlich keine Wahlfreiheit hat und mit Brot und Spielen ruhig gestellt wird, und den Müttern dieser Tage – nicht nur hier in Österreich. Auch sie haben auf dem Papier die Wahlmöglichkeit – hier zwischen Kind, Job (denn die meisten Frauen haben keine große Karriere), Teilzeitarbeit oder Vollzeitmutti. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist trotzdem für viele unvereinbar. Es fehlen Strukturen, politischer Wille und der Rückhalt in der Gesellschaft, um Vereinbarkeit zu leben. Nicht umsonst geht die Aktion #Muttertagswunsch von Mama arbeitet, Mutterseelesonnig und family unpluged heuer in die Verlängerung. Doch damit das nicht auffällt, gibt es Brot und Spiele zur Sedierung der Müttermassen. Hurra. Noch ein Stück Torte für die Mami am Muttertag? Wer darf Mutti das Frühstück ans Bett apportieren? Welches Parfum gefällt wohl der Mama?

 

Mama ist die Beste: Lob verpflichtet.

Es zeigt sich schon bei ganz kleinen Kindern: Sie stehen auf Lob. Sie wollen gelobt werden. Immer und immer wieder. Lob ist verbindlich. Lob schreit nach mehr und wirkt besser als Schimpfen, um Menschen dazu zu bringen, etwas zu tun. Mütter sind da nicht anders. Auch sie sind geil aufs Gelobtwerden. Für das tolle Essen, für die große Aufopferung, die sie da zustande bringen – alles für die Familie. Ganz im Sinne des katholischen Frauenbildes. An Muttertag ist Mama die Beste – einen Tag lang wird sie gefeiert. Hier tönt das Credo „Mama ist die Beste“ aus allen Rohren. Aber Mama ist nicht (nur) die Beste, sie ist auch die Doofe – oder wie es hier in Österreich so schon heißt: der Trottel vom Dienst. Denn Mama hat genau einen Ehrentag. An diesem Tag wird sie geehrt. Und an den anderen 355 Tagen? Da werden sie – wenn der Rückschluss richtig ist – NICHT geehrt. Sondern ausgenutzt – und zwar in ihrer unbezahlten Arbeitskraft. Glaubt ihr nicht, oder? Na, dann schauen wir  uns mal das typische Muttertagsgedicht an:

Wir wären nie gewaschen,
und meistens nicht gekämmt,
die Strümpfe hätten Löcher
und schmutzig wär das Hemd.

Wir äßen Fisch mit Honig
und Blumenkohl mit Zimt,
wenn Du nicht täglich sorgtest,
dass alles klappt und stimmt.

Wir hätten nasse Füße
und Zähne schwarz wie Ruß
und bis zu beiden Ohren
die Haut voll Pflaumenmus.

Wir könnten auch nicht schlafen
wenn Du nicht nochmal kämst
und uns, bevor wir träumen
in Deine Arme nähmst.

Und trotzdem! Sind wir alle
auch manchmal eine Last
Was wärst Du ohne Kinder?
Sei froh dass Du uns hast !!!

http://www.kidsnet.at/Sachunterricht/muttertag.htm

Also wie jetzt: Mutti darf die Wäsche waschen, die Kinder waschen, das Essen machen, auf deren Gesundheit und Hygiene achten, dabei auch noch lieb sein. Alles ganz viel Arbeit, aber das ist Okay, weil die Mutti froh sein, dass sie die Kids hat. Das ist irgendwie dieselbe Argumentation, als wenn ein Arbeitgeber sagt: „Was regen Sie sich über die Überstunden auf, seien Sie froh, dass Sie einen Job haben.“ Doch wo es für den einen Gewerkschaft und Betriebsrat gibt, schließen sich die anderen zu keiner Lobby zusammen. Das heißt: Die unbezahlte „Betreuungsarbeit“, die Müttern die Pension und Aufstiegschancen kostet, ist schon okay. Oder wie?

So. In diesem Sinne liebe Mütter: Alles Gute zum Muttertag.

 

Ein Kommentar zu „Alles Gute zum Muttertag

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  1. Wenn wir jetzt noch den Ursprung des Muttertages erwähnen, weißt du auch warum es dich an Brot und Spiele erinnert. Nicht nur all das was du geschrieben hast auch noch so viel mehr stimmt an diesen Tag nicht. Aber das ist bei einigen „Feiertagen“ so. Schönen Sonntag und guter Beitrag!

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