Intime Geständnisse: Ich bin auch so eine

Ich gestehe. Ich gestehe. Oh ja.

Ja, ich bin auch so eine … so eine … ähm … Rabenmutter, oder wie K2 derzeit so gern sagt, ich bin eine „Kacka-Furz-Mama“. Vor alle dann, wenn ich ihm die Kacka-Windel entreiße und ihn zum Zähne putzen und Hände waschen nötige. Und ich steh dazu. Und zwar nicht nur, weil Birgit von „Muttis Nähkästchen“ zur #Blogparade „Ich bin eine Rabenmutter“ ruft. Ich sage es, weil ich die Differenz zwischen eigenen und gesellschaftlichen moralischen Ansprüchen und der faktischen Alltagsrealität schlicht und ergreifend so empfinde. Beispiel gefällig? Bitte schön, ich stelle mich quasi selbst an den Pranger meines Mama-Seins und lasse- im übertragenen Sinn – die Hosen runter.

Am Pranger – mit den Hosen runter.

Also hier steh ich, im Mittelpunkt des globalen Dorfes sozusagen – mit runter gelassenen Hosen, am Pranger:

  1. Ich krümme mich geistig jeden Tag aufs Neue, wenn es darum geht, die Ks für den Kindergarten fertig zu machen. Erstens, weil ich meist selbst irgendwie noch fertig bin, wenn um 6 Uhr der Wecker kräht. Und ich bin um diese Uhrzeit leider kein frühes Vogerl und fang auch keinen Wurm. Ich bin da eher eine missmutige Nachteule, selbst noch leicht umnachtet. Und erst nach dem ersten Kaffee mit viiiiiieeeeel Zucker ansprechbar. Die Ks sehen das anders und wollen Rundum-Service aus Kuscheln, Kakao und Nein-ich-will-mich-nicht-anziehen-ich-will-spielen. Ist – nun ja – nicht so meins …
  2. Ich sorge dafür, dass die Ks schon in jungen Jahren Medienkompetenz entwickeln. Soll heißen: Ich parke sie ab und an auch Mal vor dem Fernseher. Und das Rabigste daran: Ich tue es, nicht weil die Welt untergeht oder das Essen gekocht werden muss, nein. Ich tute es, damit ich auch mal in Ruhe in die Tasten hauen und mein Gehirn abseits des Rezitierens von „Zehn leine Zappelfinger“ nutzen kann. Denn ich denke gern. Doch seit ich Mama bin, hab ich das Gefühl, mein ist ein einziges Placebo und seine primäre Funktion ist es, dafür zur sorgen, dass es nicht in den Kopf reinzieht …
  3. Ich gehe nicht in der Mutterrolle auf, ich bin ja auch kein Germteig.  Das heißt nicht, dass ich die Ks nicht liebe, sondern nur dass ich mich nicht über meine Kinder definiere. Ich bin nicht nur die Mama von K1 und K2. Und wenn sie etwas schaffen, dann ist das nicht mein Verdienst, sondern ihre eigene Leistung. Der Pferdefuß an der Rabenmutterschaft: Mama will auch was zuwege bringen, ihre eigenen Träume verfolgen (und vielleicht sogar erwischen), ein soziales Umfeld, das sich nicht nur und ausschließlich um die Ableger dreht, aufrecht erhalten und nicht die nächsten 30 Jahre durch die Ks leben.
  4. Ich mag als Verfechterin des freien Spiels nicht mit den Ks spielen. Ich mag nicht mit dem Playmobilritter die Burg einnehmen, Drache sein und getötet werden. Und ich mag auch nicht Mimi, das Huhn oder sonst eine Handpuppe sein und stupid alles, was Eiform hat, bebrüten. Ich mag auch keine Zeichentrickfilme gucken. Auch wenn es ab und zu doch mal sein muss. Für den Fall, dass der abgeneigte Leser jetzt einwirft: „Na, dann hättest Du halt keine Kinder bekommen“, kann ich nur sagen: „Ich beam mich dann mal zurück und ändere den Lauf der Welt. Wo ist nochmals die Anleitung, um die Zeit zu manipulieren? Gibt es auf Youtube ein Tutorial für Zeitreisen? Denn nachher ist man immer gscheiter, aber eben nicht VORHER“. Und ja, vielleicht hätte es mir auch zu denken geben sollen, dass bei mir alles – von Gummibaum über Balkon-Erdbeeren und Tamagotchi – und ich meine wirklich alles stirbt. Verhungert. Ertrinkt. Verschimmelt. Nur die Ks und der hasigste Ehemann von allen haben bis jetzt gehalten. Zum Glück.
  5. Ich habe K2 per Kaiserschnitt geboren und mich nach der Geburt von K1 wichtig gemacht – mit zerfetztem, irreperabel zerstörten Beckenbodenmuskel will ich mich vor der Betreuungslast drücken. Und K2 hab ich überhaupt nicht gedrückt – zumindest nicht raus gedrückt. Wie faul. Wie bequem. Sich einfach eine Nadel in die Rückenmarkshaut stechen lassen, den Bauch aufschneiden lassen. Wo doch jeder weiß, dass eine vaginale Geburt zu einer viel besseren Mutter-Kind-Bindung führt. Und – lieber Leser, jetzt heißt es stark sein: ICH WOLLTE NIE STILLEN, denn ich wollte MEINEN KÖRPER zurück und hab schon dies im Angesicht des positiven Schwangerschaftstests lautstark verkündet. (Dass ich K1 dann doch 5 Monate gestillt hab, war ein Unfall 😉 ). Und überhaupt: Schon in der Schwangerschaft war klar, dass aus mir nur eine Rabenmutter werden kann. Während andere mit ihren Bäuchen eine dyadische Beziehung eingingen und diese wie das achte Weltwunder vor sich her missioniert haben, war ich vor allem eines: Von Übelkeit geplagt. In bester Knastbrüdermanier habe ich jede Woche, die vorbei war, durchgestrichen und die Tage bis zur Geburt gezählt – nur um dann zu erkennen: Jetzt fängt es erst richtig an. Für die nächsten 30 Jahre.

Na, überzeugt? Sag ehrlich, bin ich eine Rabenmutter? Oder hab ich kurzsichtiger Schussel nur irgendwo meine rosarote, hormongeschwängerte Brille verlegt? Egal. Denn ich geb’s zu: Ich bin gern eine Rabenmutter.

Ich bin gern eine Rabenmutter!

Und das hat Gründe, das sag ich Dir. Erstens, Weil ich gar nicht das Rollenklischee der guten, sich aufopfernden Mutter erfüllen will. Das ist mir viel zu katholisch. Viel zu selbstausbeutend und ein viel  zu schlechtes Beispiel, um es den Ks vorzuleben.

Zweitens, weil ich mich selbst gerne lobe. Denn Raben sind viel besser als ihr Ruf. Eigentlich sind sie sogar ur super:  Laut Spiegel Online betreiben Raben „eine ausgesprochen intensive Brutpflege und sind vorbildliche Vogeleltern.“

Und drittens, weil alles relativ ist – auch der Begriff Rabenmutter selbst. Denn der  bezeichnet „eine Mutter, die sich nicht gut um ihre Kinder kümmert“. Aber was ist schon gut? Das ist kulturell konnotiert. So stimmen laut einem Artikel in der Presse der Aussage „Ein Kleinkind wird wahrscheinlich darunter leiden, wenn die Mutter berufstätig ist“ in Westdeutschland 63 % zu, im Osten sind es nur 36 %. Wenn es ums Arbeiten/ ums Berufstätigsein geht, bin ich als Dr.Mama.Arbeitstier gerne eine Rabenmutter. Krah krah.

Österreich braucht mehr Rabenmütter und weniger erhobene Zeigefinger. Denn die gute Mutter gibt es nicht.

So. Und wer jetzt noch immer noch genug von Rabenmüttern hat, der findet ein ganzes Nest. Wo? Bei „Muttis Nähkästchen„.

 

 

 

 

5 Kommentare zu „Intime Geständnisse: Ich bin auch so eine

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  1. Hi, ich mache mal den Anfang … erstens find ich`s gut, dass du so ehrlich darüber schreibst! Aber das ist auch schon die einzig positive Kritik die ich abgeben kann ;-( Ich kann nur diesen einen Artikel beurteilen und am Schluß habe ich mir lediglich gedacht: So eine Mama hätt ich nicht gerne 😦 Sorry aber so kommt es rüber! Meiner Meinung nach hat Aufopferung nichts mit Klischee oder Religion zu tun – es hat etwas mit Liebe zu tun und manchmal muss man einfach Dinge tun, die man nicht so gerne macht – einfach nur um jemand anderen glücklich zu machen!

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    1. Hallo, zuerst die gute Nachricht. Du hast mich nicht zur Mama 😉, also Entwarnung. Und das mit der Aufopferung, das ist kompliziert. Die Verbindung zwischen religion und klischee herzustellen, finde ich legitim. Was aber nicht heißt, dass ich nicht alles für meine Kinder tu. Nur hab ich was gegen gesellschaftliche Rollenerwartungen. Also vielleicht noch nen anderen artikel lesen und schauen ob sich dein eindruck bestätigt 😉

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  2. Niemand muss eine Übermutter sein und wer nicht auch sich selbst im Auge behält, kann mit Sicherheit auch keine zufriedene und damit auch gute Mutter sein. Das ist meine Meinung, aber jeder Mensch ist anders und so soll es auch bleiben. Leben und leben lassen ist meine Devise … 🙂 Liebe Grüße – und ich freue mich selbst, dass ich deinen Blog gefunden habe – obwohl meine Kinder selbst schon erwachsen sind 🙂

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