Please hold the line – or the P*enis

Es war mal wieder so weit. Und das ganz dringend. Denn da war er wieder, der Penis, der sich von hinten an mich heran schlich und sich beim Kochen in meinen Rücken bohrte. Blöd, wenn man erstens schreckhaft und zweitens mit einem scharfen Küchenmesser bewaffnet ist. Und auch beim Waschmaschine ausräumen hat er mich begleitet. Das zeigte  mir mehr als jede Kalenderaufzeichnung: Das letzte Mal ist schon ur lang her. Also ur lang in Eltern-Kategorien, nicht in Single-Kategorien. Wir reden hier, liebe Leute, schon lange nicht mehr von TAGEN, eher WOCHEN – oder sind es schon MONATE? Totale Koitusflaute im Ehebett. Elternsexleben – ein Begriff, der sich selbst ad absurdum führt.

Also Zeit für einen romantischen Abend zu zweit. Höchste Zeit, wie es aussieht. Romantisch als Eltern zweier Kindergartenkinder heißt bei uns: Ich hetze mit den Kids nach Hause, richten ihnen eine Jause (Doughnut oder Kuchen oder so). Dann schaufele ich den Fußboden frei und verstaue im Turbo-Tempo Spielsachen in Kisten und Körben. Gemäß dem Motto: Hauptsache, aus den Augen. Staub wischen und Staubsaugen wird auf Irgendwann verschoben. Statt dessen: ab in die Küche und Abendessen zusammengeschustert. Spaghetti und Sauce Bolognese. Ein Blick auf die Uhr, hetz hetz. Es ist schon 17:30. Und da läutet er auch schon – der Babysitter.

Die Ks samt Sitter: ab zum Essen. Ich: ab in die Dusche. Beine rasieren. Das – liebe Leute – fällt unter Vorspiel. Dann: Anziehen. Soll heißen, hysterisch Klamotten aus dem Schrank reißen, sich darin wahlweise blad, alt oder einfach nur schiach fühlen und sich dann für das erste Teil, dass ich aufs Bett gefetzt habe, entscheiden: Bauch einziehen, geht scho …

Auch der hasigste Ehemann von allen ist inzwischen relaxt in der Homebase gelandet. Und signalisiert Marschbereitschaft. Denn Zeit ist Geld. Unseres ;-).

Also: Ab zum Wiener Schnitzel als Vorspiel. Doch das ist gefährlich. Denn Essen ist ja nicht  nur der Sex des Alters, es macht auch satt und träge. Und das ist nicht sooooo im Sinne des Erfinders. Danach: Vorspiel, Runde Zwei. Cocktails trinken in einer Roof Top Bar, die in Wien gerade aus dem Boden poppen. Denn es geht ja ums Poppen hier und auch um Cock … Aber ich schweife ab – in die genitalen Niederungen eines feuchtfröhlichen Abends.

Es wird sehr feucht. Und auch sehr fröhlich. Und wir kommen ziemlich müde heim. Doch der Vorsatz hält uns aufrecht – also zumindest gewisse Körperteile. Und da geht schon noch was… Aber leider ist das, was da geht, ein ziemlich nasses, grantiges Kind. Nass und grantig, weil durch und durch angepinkelt. Denn der Babysitter hat leider vergessen, K2 die Nachtwindel zu montieren. Und weil das Wechseln von Kissen und Decken, Leintüchern und Schonern schon ein Weilchen Zeit in Anspruch nimmt, hat sich der junge Mann ins elterliche Bett verkrümelt. Und hat sich dort mit dem Kampfschrei „Flaschi“ häuslich nieder gelassen. Keine Chance, ihn da weg zu kriegen.

Das ist er – der genitale Super-Gau. Schlimmer als jedes geplatzte Kondom. Der ultimative-Sexunfall – nämlich die Verunmöglichung von Sex. K2 hat mit annektiert. Und für den hasigsten Ehemann von allen hieß das: Asyl im Kinderzimmer suchen. Und: getrennte Betten, getrenntes Schlafen und penistechnisch: „Please hold the line“. Nix mit „Penis, bitte kommen„, statt dessen: „Penis, bitte warten“. Denn an Abenden wie diesem ist nicht einmal mehr manuelles Zusatzfüttern drin.

Wir müssen wohl ein bisschen mehr zu US-Amerikanern werden, und da meine ich nicht vom BMI und vom Junkfood-Ernährungsverhalten – da sind wir schon nah dran. Nein, ich meine in Bezug den Trend: „Wahre Liebe wartet“. Das sind ja junge Menschen, die auf Sex VOR der Ehe verzichten. Und wir Eltern? Wir verzichten – nicht immer ganz freiwillig, dafür aber schon ziemlich lange – auf Sex IN der Ehe. Denn auch wir warten …

… darauf, dass die Kinder schlafen.
… darauf, dass die Waschmaschine fertig ist.
… darauf, dass die Ferien vorbei sind.
… darauf, dass die Kids fertig sind mit Baden/ Klo gehen/ Essen.
… darauf, dass er kommt, der richtige Moment für den Penis. Irgendwann, irgendwo, irgendwie.

 

Nachspiel: 

Akt 1: Die Frage aller Fragen: Und, wie ist das bei euch so? Habt ihr Tipps, wie man dem Warten auf den richtigen Zeitpunkt ein genital erfreutes Ende bereiten kann? Dann nur immer her damit 🙂

Akt 2: Noch nicht genug Sex gehabt? Mehr und ums Thema Sex findet ihr bei:

lebe-liebe-lache
Mini and Me
Frühes Vogerl
2KindChaos
EditionF
babycenter
Muttis Nähkästchen

Bild: Pixabay, Autor Prinz-Peter, gemeinfrei

10 Kommentare zu „Please hold the line – or the P*enis

Gib deinen ab

  1. Ich bin immer ganz fasziniert von deiner pointierten treffsicheben Schreibweise. Wir sind jetzt ganz betroffen weil wir uns penistechnIschias gar nicht mehr erinnern können. Oder gibt es den überhaupt noch? Ich glaub ich muss heute mal nachschauen. Danke für die Erinnerung. LG von einer sexuell ausgedÄrzten Martina

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  2. seitdem wir Eltern sind (von 3 Kinder) passiert das bei uns nicht am Abend, sonder in der Früh, nach dem aufwachen. Kinder kriegen Müsli und gucken 1-2 Zeichentrickfilme, und wir haben etwas Zeit für uns. OK, romantisches Date davor gibt es nicht, aber sexuell frustriert sind wir auch nicht. Wir haben auch in jedem Zimmer ein Möbelstück, was eventuell geeignet wäre, falls in den anderen Zimmer grad unsere Kinder Nickerchen machen und wir dadurch etwas Zeit für einander gewonnen haben…

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  3. Also hier die Tips die uns trotz Kindern seit 25Jahren sen Sex nicht vermießt haben.
    Sex geht nicht nur im Bett und nicht nur abends!
    Alternativ ist das Bad, die Waschmaschine und die Küche doch frei.
    Oder Kinder mal später abholen, oder bei der Oma parken.
    Oder das Auto, wenn die kleinen eingeschlafen waren…
    Am Wochenende, mittags, wenn die Kinder schlafen usw.
    Ausreden sind eben nur Ausreden!

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  4. Wie reife Erwachsene?
    Für mich sind das auch eher Ausreden.
    Wie schon erwähnt gibt es andere Orte ,Möglichkeiten,Chancen etc.!
    Die Zeit als (Eltern)Paar sollten gut genutzt werden.Das ist kein Ding der Unmöglichkeit sondern der Kreativität . Schließlich darf die Existenz zweier sexuell lüsternder Menschen nicht abgehakt werden weil 1-5 (oder mehr!?)kleine Menschlein die Liebe komplementieren.

    Bleibt lüstern,erotisch ,willig und gleichzeitig kinderfreundlich 😊

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