Schwachstelle Familie

„Mama, mir tun die Beine weh. Und der Bauch. Und der Hals. Und alles …“ attestiert der Zarte, als der  hasigste Ehemann von allen und ich ihn vom Kindergarten abholen. Und die Worte treffen mich direkt in der Magengrube. Denn Sätze wie dieser lassen meinen Detektor anschlagen – den, den ich habe, seit ich Mutter bin. Den SCHEISSE-ICH-BIN-IM-ARSCH-Detektor. Denn das klingt nicht gut. Gar nicht gut, um genau zu sein. Vielleicht sind es ja nur Wachstumsschmerzen, versuche ich mich selbst zu beruhigen. Wieder besseres Wissen. Denn meist ist der Zarte nicht so kulant, einfach Schmerzen ohne drastische Auswirkungen auf mein Sozial- und Berufsleben zu haben. Nein. Wenn, dann gscheit, denkt sich der Erstgeborene und legt auch gleich nach. Mit Fieber. 40,5 Grad. Aufwärts. Passend zum Wochenend-Beginn am Freitag. Eh klar. Wenn der Harte oder der Zarte krank sind, dann ist es mit 99,9%-iger Wahrscheinlichkeit am Wochenende. Also, ich orte hier ja eigentlich eine Weltverschwörung unter den Kindergarten- und Vorschulkindern…

Also. Der Zarte hat Fieber. Ich starte also mein „Vielleicht ist es nur ein grippaler Infekt und morgen ist alles wieder ok“-Mantra gegen hysterische Hyperventilierattacken und klammere mich an den Fiebersaft. Man könnte schon fast glauben, ich bete ihn an. Okay, tu ich auch irgendwie.

Doch das Wochenende geht, das Fieber bleibt. Und hat auch noch seinen besten Freund mitgebracht – den Halsschmerz. Also am Sonntag zum Arzt – zum Glück gibt es da eine Kinderarzt-Gemeinschaftspraxis, die auch Wochenenddienst schiebt. Und der Arzt bestätigt, was eh schon klar ist: Tonsillitis. Antibiotika. Krankenstand. Prost Mahlzeit.

Ich bin am Arsch, Leute.

Der Zarte geht diese Woche nirgendwo hin – zumindest nicht in den Kindergarten. Aber: Wohin mit dem Zarten? Denn irgendwie sollte ich auch mal arbeiten. Eine ganze Woche Pflegeurlaub ist echt nicht der Burner. Vor allem, wenn man wie in Österreich pro Arbeitnehmer für Kinder unter 12 Jahren nur zwei Wochen im Jahr hat – egal, wie viel Kinder da sind. Scheiße. Kackafurz-Scheiße. Riesenkacka-Scheiße. Denn der hasigste Ehemann von allen weilt die Woche über nicht in Wien. Und auch an der Schwieger-Front gibt’s Ausfälle. Opa ist krank. Oma noch nicht – doch auch die kann nicht die ganze Woche über einspringen. Weil marod. Und alt. Und Arzttermine. Trotzdem tut sie, was sie kann.

Wer will, wer kann, wer hat noch nicht?

Aber da … da ist doch noch jemand. Der Hasenbruder und die Hasenschwägerin, die nur drei Tage die Woche arbeitet. Die könnten doch, wenn sie wollten. Im Notfall? Leider nein – denn da gibt es zwar Tagesfreizeit, aber viele Termine. Wohl in Übung fürs Pensionistendasein in 20 Jahren, dazu läuft das Naserl. Fällt leider in die Kategorie: „Ich wünschte, ich könnte, aber ich will nicht.“ Naja, Schwachstellen eben.

Gerettet!

Zum Glück gibt’s neben der Oma noch die C., die fragt, ob sie Essen vorbeibringen soll und die E., die liebe Nachbarin. Und diese  hilft – trotz Verkühlung – und ohne lang zu überlegen. Sie passt auf den Zarten auf, damit ich den Harten im Kindergarten abgeben kann. Sie nimmt den Zarten sogar einen Tag lang zu sich. Schön. Wirklich wunderschön …

Was kann man tun, wenn es an Unterstützung mangelt?

  1. Homeoffice – immer eine gute Lösung, wenn die Firma mitspielt.
  2. Kindergarten-Bekannte bitten, die anderen Kinder/ das andere Kind mit in den Kindergarten zu nehmen bzw. abzuholen.
  3. Zeitausgleich nehmen und die Stunden am Wochenende einarbeiten – dann, wenn eine zweite Person zur Betreuung vorhanden ist.
  4. Freunde bitten, einzukaufen und so etwas Druck rausnehmen.

6 Kommentare zu „Schwachstelle Familie

Gib deinen ab

  1. Oh ja das kenne ich sehr gut. Das Kind hustet einmal und schon bekommt man selbst Herzrasen, weil evtl. ja ein Infekt ansteht, einer der mindestens eine Woche braucht um ausgeheilt zu werden. Was ist dann mit der Arbeit auf dem Schreibtisch? Eine wirklich befriedigende Lösung habe ich für uns nie gefunden. Die Großeltern sind vollzeit berufstätig, zu Bekannten und Freunden wollten die Kinder nie, vor allem nicht wenn sie krank sind. Die Arbeit übernehmen kann auch niemand. Da ist es durchaus schon vorgekommen, dass ich mit kranken Kind in die Arbeit bin. Gut ist das nicht.

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    1. Ich wäre froh, wenn ich das Organisationstalent nicht immer zeigrn müsste. Der Herbst fängt erst an und ich fürchte, da kommen noch weitere kranke Kinder auf uns zu. Und jetzt ist auch noch die Oma angeschlagen. Also wackelt die Betreuung für morgen. 😥

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  2. Schön das ich gerade das Gefühl hab mit So Was nicht alleine dazustehen. Ich hab dabei leider noch das Problem alleinerziehend zu sein keine Geschwister u haben und eine mutter/Oma die mal Lust und Zeit dafür hat und mal nicht und da ich in einem Altenheim arbeite ist es auch schwierig einen 1 klässler mitzunehmen. Somit ist es immer wieder eine Herausforderung und man wird Sowas von vorsichtig und leicht panisch wenn das Kind nur im Ansatz komisch wird und hüstel.

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