Mama geht K.O.

Mama geht K.O.  – und hängt in Seilen. So wie Rocky. Nachdem er einen Kampf VERLOREN hat. Ich hab auch verloren – den Kampf gegen meinen Körper. Fühlt sich zumindest so an. Denn: Es tut weh. Wirklich weh.

Ring frei für die erste Runde: „Wo genau tut es weh“ fragt der Arzt und lacht sich scheckig, als ich sage: „überall, vom Kopf bis zum Kreuz, vor allem die rechte Seite.“ Im Raum steht in rosarotblinkender Neonschrift der Vorwurf: „Ui, die Alte ist aber wehleidig.“ Naja. Vielleicht bin ich das auch. Aber nur vielleicht. Der Arzt fragt weiter: „Sind Sie eigentlich ursprünglich Slavin? Denen tut immer alles weh – nicht nur ein Körperteil“. Treffer. Ich würde sagen, 10:9. Denn Slavin bin ich nicht. Also vielleicht hab ich dann ja doch was?

Zweite Runde – rein in die Röhre – die MRT-Röhe und auch noch zum Röntgen. Und schau, da ist ja doch was: nämlich gleich zwei Bandscheibenvorfälle. Eindeutiges K.O. für Mama. Doppeltes. Doch ein kleiner Trost bleibt: Vielleicht bin ich ja doch nicht über Gebühr wehleidig, sondern hab einfach SCHMERZEN?

Runde Drei. Zurück im Ring. Die Menge jubelt – zumindest die Sprechstundenhilfe, die die Befunde eintippt. Und der Arzt runzelt die Denkerstirn: „Ui, das ist schlecht“ sagt er. Ja, sag ich. Find ich auch. Was tun wir jetzt mit der Erkenntnis? Nicht viel, wie es ausschaut. Aber dafür ist der Arzt erfreut, denn er kennt den hasigsten Ehemann von allen von Früher und „wir sehen uns sicher jetzt öfter“ – mit der kaputten Alten, wenn ich denn Satz hier vervollständigen darf. Ich freu mich sehr für die zwei Herren. Sonst freu ich mich nicht so. Denn krank sein und Patientin-Sein ist vor allem eines: mega uncool. Warum? Wegen der Leut‘. Weil es da immer wieder zu Tiefschlägen, Fouls und unsportlichem Verhalten kommt.

Tiefschlag: „Mach dich nicht so wichtig“

Kranksein ist leide oft Grund für ein schweres Foul – so einen richtigen Tiefschlag. Denn es gibt Menschen, die reagieren auf die Info nicht mit einem empathischen, sozial angepassten  „oje, das tut sicher weh“ oder mit einem „das wird schon wieder“, sondern leider ganz anders. Meist ist dieser Typus „katholisch“ veranlagt und hat das Leiden nicht nur perfektioniert, sondern auch gepachtet – irgendwie für sich ganz allein: „Ich hab auch Bandscheibenvorfälle. Immer wieder – auch, als meine Kinder noch klein waren. Da muss ich dann mit Krücken gehen.“ Is klar. Wahrscheinlich hat dieser Typus Mensch während eines akuten Bandscheibenvorfalls den Garten umgegraben, Bäume ausgerissen, ein 5-Gänge-Menu gekocht und dabei gleichzeitig Bälle jongliert. Ich kann das ja nicht und mein Schmerz ist eh nicht so arg – denn „immerhin hörst du dich eh wieder gut an“. Danke auch. Ich mag es, wenn man 1. auch aus einem Bandscheibenvorfall eine Wettbewerbssituation  machen muss und es plötzlich nur mehr darum geht, wer das größere Leid und die größeren Schmerzen hat. Und 2. wenn mir das eigene Leid abgesprochen wird gemäß dem Motto, „die soll sich nicht so anstellen“. Schweres Foul.

Absichtliches Nachschlagen gemäß „Bitte, ich weiß was!“

Auch ganz toll sind die nicht promovierten Pseudo-Ärzte, die immer wieder nachschlagen – verbal und oft auch gut gemeint. Weil sie entweder jemanden kennen, der das auch hatte (und dem dann die Hand abgefallen ist oder der Kopf oder der heute im Koma liegt blablablabla) oder genau wissen, WARUM du das jetzt hast – und dass du daran ja eh „selbst schuld bist“. Das manifestiert sich in der Frage: „Machst du denn keinen Sport?“ Oder auch ganz nett: „Na, jetzt musst du aber endlich Sport  machen.“ Ach, könnte ich mir die Welt auch so einfach erklären …

Betreten des Rings: „Ich rette dich“

Auch wenn es gut gemeint ist, es braucht keine zusätzlichen Leute im Ring. Doch die gibt’s immer wieder. Die, die genau wissen, was jetzt das Richtige ist. Die den einen einzigen Arzt kennen, der durch Handauflegen die Bandscheibe wieder zurückschubst. Oder die Wunder-Physiotherapeutin, bei der man zu Superman mutiert und nachher  nicht nur schmerzfrei ist, sondern auch ganze Autos stemmen kann. Oder so. Ist anstrengend, weil man ihnen natürlich glauben will, aber weiß, dass unrealistische Dinge eben vor allem eines sind: UNREALISTISCH. Und weil nicht jeder Bandscheibenvorfall gleich ist – und damit auch nicht die Prognosen und Möglichkeiten.

Allein im Ring: Wo ist die Lösung?

Klar gibt’s die. Und die ist einfach. Nämlich: Einfach mal die Klappe halten. Und stattdessen Zuhören. Nämlich mir.

Bild: Pixabay.com

 

12 Kommentare zu „Mama geht K.O.

Gib deinen ab

  1. 1. Ach du meine Güte, du hast es geschafft, in dieser MRT Röhre zu bleiben? Respekt!! Ich würde keine 2 Sekunden da drinnen aushalten!
    2. Es tut mir wirklich leid für dich, diese Schmerzen müssen sich einfach scheußlich anfühlen. Was kannst du jetzt aktiv dagegen tun? Oder muss gar operiert werden? Hoffentlich nicht…
    3. Schade, dass es immer wieder Leute gibt, die unsensibel reagieren. Das braucht keiner,dem es gerade schlecht geht. Und auch sonst nicht…
    4. Ich wünsche Dir ganz viel Kraft!

    Liebe Grüße
    Natalie

    Gefällt 1 Person

    1. Oh danke dir, du Liebe. Ich hab zum Glück kein Problem mit Röhren. Und nach zwei Spritzen in die Lendenwirbelsäule geht’s auch schon besser. Operation brauch ich zum Glück keine, wenn es so bleibt. Aber ich soll Physiotherapie machen, Bewegung und Sport. Ist alles zach … und die Kids bekommen meine schlechte Laune ab.

      Gefällt 1 Person

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