Wenn Kinder nicht essen wollen. Und wie es trotzdem funktioniert.

„Abendessen ist fertig“ ruft die Mama mit einem beseelten Lächeln auf den Lippen. Und karrt dampfende Schüsseln an den Esstisch. Natürlich sitzen die lieben Kleinen schon wohldrapiert um eben diesen herum. Mit glänzenden Augen und dankbarem Lächeln. Die Größeren helfen den Kleinen. Alle sind glücklich. Und freuen sich auf das gute Essen, dass die Mama da wieder gezaubert hat. Der Papa sagt so etwas wie „Du bist die beste Köchin. Bei dir schmeckt es so gut, wie nirgendwo sonst daheim.“ Im Hintergrund erklingt leise Musik. Some where over the rainbow oder father and sons …

Und dann klingelt der Wecker. Hallo Realität. Aus der feuchte Traum der guten Mutter, geboren aus den Nachwehen der 50er – mit den Werbern der 80er als Geburtshelfer. Sag ich jetzt mal einfach so.

Denn „Abendessen ist fertig“ ist vor allem in der Autonomiephase vor allem eines: ein Schlachtruf, ein Auftakt zum allabendlichen Scharmützel, ein neuer Tag im Stellungskrieg – die Kontrahenten an den verhärteten Fronten: Eltern auf der einen Seite, Kinder auf der anderen. Der Ort des Essens – ein Minenfeld. Doch wie sie entschärfen? Damit das Essen nicht zum Machtkampf ausartet. So geht’s …

Wenn Kinder nicht essen wollen. Und wie es trotzdem funktioniert. Hier die Top 6:

Mine Nummer 1.) Die Kinder ganz unbedarft fragen, was sie essen wollen. Ist zwar lieb gemeint, hat aber Supergau-Potential. Denn meist kommt dann aus dem Kindermund so etwas wie: „Eis und Schokolade. Kuchen.“ Wie es dazu kommt? Weil der Rahmen fehlt – die Kinder sagen das, was ihnen in dem Moment durch den Kopf geht.

Wie entschärfen? Indem die Eltern einen Rahmen vorgeben: Also fragen: „Wollt ihr heute Fischstäbchen und Kartoffelpüree essen?“ Sagt dann ein Kind „nein“, muss es einen konkreten Gegenvorschlag anbringen – oder die Eltern bieten eine zweite Auswahlmöglichkeit an.

Mine Nummer 2.) Zu viel Auswahl. Unterschiedliches Essen für unterschiedliche Kinder. Das Problem: Irgendwie mutiert man da zum Restaurant Mama. Und hat dann auch noch die Gefahr von Reklamationen, wenn ein Kind sieht, was das andere wollte und das dann auch will. Wird zu einer Never-Ending-Story … Und das ist ohne Fuchur irgendwie uncool. Also Tipp: Ein Essen für alle.  Und jeder kann selbst entscheiden, wie viel er sich auf seinen Teller geben möchte. Beispiel gefällig: Hühnerfilet mit Champignonsauce und Reis. Und zwar nicht schon vor portioniert, sondern in Schüsseln/ auf Platten auf den Tisch gestellt. Damit sich alle selbst nehmen können. So haben die Kinder die Wahl. Wollen sie heute Reis? Wollen sie die Sauce? Wollen sie heute das Huhn? Und wenn ja, wie viel?

Mine Nummer 3.) Essen hat für manche Kinder einfach keine Priorität – sie wollen lieber spielen. Und essen dann extra wenig, damit sie schnell wieder weiterspielen können. Das Problem: Die Kinder sind nicht satt. Und es ist unruhig, weil ein Kind sofort vom Tisch wegzischt. Da wollen die anderen meist auch nicht länger sitzen bleiben. Die Lösung: Wenn es Abendessen gibt, sollen alle am Tisch sitzen. Auch die, die gar keinen Hunger haben und nichts essen wollen. Und das (ab einem gewissen Alter) so lange, bis alle (Kinder) fertig gegessen haben. Manchmal hilft es, ein Spielzeug mit an den Tisch zu nehmen.

Mine Nummer 4.) Die Kids finden Abendessen grundsätzlich langweilig. Die Lösung: Essen muss geil sein. Keine Angst, ich mein jetzt nicht die Dildo-Banane. Raclette-Essen, mit Stäbchen essen oder beim Kochen helfen, kann schon helfen, die Kids fürs Essen zu interessieren. Genauso wie ganze Fische statt Fischstäbchen, ein Backofenhuhn, dem das Kind selbst in den Bauch schauen konnte oder von Kinderhänden panierte Schnitzel.

Mine Nummer 5.) Läuft nebenbei das Radio oder der Fernseher? Sind Smartphones mit am Tisch? Nicht gut. Denn das sorgt vor allem für eines: für viel Ablenkung. Am besten ein paar Störquellen ausschalten und mal die Kinder erzählen lassen – davon, was sie so erlebt haben. Das hilft, damit das Abendessen nicht durch zusätzliche Lärmquellen und Störungen noch stressiger wird. Denn: Manchmal ist weniger einfach mehr.

Mine Nummer 6.) Kinder tun nicht das, was man ihnen sagt, sondern das, was man ihnen vorlebt. Das Problem: Wir Eltern. Wie oft, essen wir selbst nichts, nur einen Happen, im Stehen, im Vorbeigehen oder am Abend vor dem Fernseher auf der Couch? Wie oft stürzen wir uns glücklich strahlend auf Kohlrabi, Radieschen und Co? Ehrlich jetzt. Na eben. Und dann erwarten wir aber genau das von unseren Kindern – aber die sind nur klein, nicht blöd. Die kriegen mit, dass die Eltern das „gute Zeug“ essen und sie das Gesunde kriegen. Was tun? Nur das für die Kinder auf den Tisch bringen, was auch die Eltern essen wollen und würden. Damit essen Spaß macht. Allen. Und kein Machtkampf wird.

In diesem Sinne. Mahlzeit.

2 Kommentare zu „Wenn Kinder nicht essen wollen. Und wie es trotzdem funktioniert.

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  1. Als #motherof4 kann ich die 6 Strategien nur unterstreichen. Hinzu kommt bei uns: Alles muss gekostet werden, bevor gesagt werden darf: Das mag ich nicht. Und die Kostprobe kann in regelmäßigen Abständen erneut aufgetischt werden. Denn Geschmack verändert sich. Bei uns gibt es beim gemeinsamen Essen die Fragerunde: Was hast du heute gemacht? oder: Was war an deinem Tag heute gut, was nicht? Bis alle Sechs Familienmitglieder durch sind, ist ein großer Teil der Mahlzeit in den Bäuchen. Außerdem gibt es für Grünzeug-Verächter Deals wie „1 Apfel am Tag – sonst keine süßen/salzigen Naschis“. Wir entschärfen die „allabendliche Küchenschlacht“ mit gemeinsamem Schulbrotemachen und anschließendem Abendessen.

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