Das vielleicht allerletzte Weihnachten

Die Uhr läuft. Bald ist Weihnachten. Nur mehr wenige Tage bleiben bis zum stressigsten Fest des Jahres. Im Vorjahr hat mich Weihnachten richtig fertig gemacht – von mir aus hätte es ruhig ganz ausfallen können. Viel Druck. Viele Erwartungen.  Und heuer ist es noch schlimmer.

Diesmal MUSS wirklich alles perfekt sein – das Essen, die Kekse, der Tannenbaum, die Geschenke, die Hemden der Jungs und der Baum.

Denn dieses Weihnachten ist etwas Besonderes. Und das meine ich keineswegs positiv. Weil heuer jemand mitfeiert, den echt niemand eingeladen hat. Ein ungebetener Gast – und zwar auf echt jeder Feier: die Endlichkeit.

Es ist vielleicht das aller aller allerletzte Weihnachten, so wie früher. Das vielleicht letzte Weihnachten, an dem Oma und Opa noch mit dabei sind. Das vielleicht letzte Weihnachten, an dem der Zarte, der ja doch demnächst sechs Jahre alt wird, an Weihnachtsmann und Christkind glaubt. Das vielleicht letzte Weihnachten, an dem der hasigste Ehemann von allen und ich nicht die älteste Generation im Raum sind – sondern mit 40+ noch immer „die Kinder“.

Und langsam geht das Licht aus …

… und die Schatten werden länger. Klar, niemand lebt ewig. Aber muss man gerade an Weihnachten daran denken? An die Endlichkeit des Lebens – und damit auch an die eigene? Soll man nicht lieber lustig sein und den Sensenmann draußen vor dem Tor stehen lassen – ausgesperrt vom Lichterglanz der Kerzen und der glücklichen Kinderaugen. Soll man einen Abend lang so tun, als würden wir alle ewig leben und nicht wissen, dass langsam das Licht des Lebens erlischt – auch irgendwann einmal das eigene und das unserer Kinder. Dass unser aller  Augen eines Tages immer größer und die Arme und Beine immer dünner und zerbrechlicher werden und die Tage immer kostbarer – die letzten dann, irgendwann. Kann man dagegen mit einem gar nicht stillen „Stille Nacht, heilige Nacht“ ansingen?  Oder den Sensenmann mit 3.000 Sternspritzern blenden und verscheuchen? Zumindest einen Abend lang? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Denn das Ende gehört zum Leben genauso wie der Anfang.

Ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk

Mal ganz davon abgesehen, dass niemand an den Tod denken will – zu wissen, dass die Zeit endlich ist, ist ein großartiges Geschenk. Weil man nur so noch zu Lebzeiten Abschied nehmen kann. Denn ein Abschied – der muss nicht schnell und abrupt kommen. So, als würde ein Tschüss in die Runde rufen und die Treppen zur U-Bahn hochhetzen. Ein Abschied kann auch langsam sein und voller guter Momente. Wie bei Kindern, die eigentlich schlafen sollten und sich dann immer noch ein „Letztes“ und ein weiteres „Letztes“ zu erzählen haben. Und vielleicht warten ja noch ganz viele solcher Momente, bevor endgültig Schlafenszeit ist. Das wäre ein echt gutes Weihnachtsgeschenk.

Und ihr so? Wie wird euer Weihnachten? Was liegt euch dabei auf der Seele und im Magen?

 

Ein Kommentar zu „Das vielleicht allerletzte Weihnachten

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  1. Und der Abschied kann abrupt kommen und es war kein perfektes Fest sondern alles andere. Gezwunge Gemeinsamkeit mit Bombenstimmung. Deshalb muss man die Feste feiern ohne verlogen etwas vorgaukeln was nicht ist. Dem Herzen folgen, dann ist es perfekt. Vor allem jeden Moment genießen perfekt oder nicht …. Weil nächstes Jahr alles anders sein kann. Jeder Anfang hat ein Ende und das des Jesuskind war ja bekanntlich ziemlich grauslich. Danke für mehr Realität auch zu Weihnachten. Vanillekipferlsüße Grüße Martina


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