Mama hat Frühlingsgefühle.

6:30. Und heute ist er plötzlich da -nämlich nicht nur der Zarte, der kuscheln will, sondern auch er – der Frühling. Die Vögel vögeln, die Bäume rauschen verheißungsvoll, der Wind säuselt.  Und beim Anblick von so viel Frühling, keimen in mir mütterliche Frühlingsgefühle. Nein – es geht hier nicht um Sex. Und auch nicht um ein drittes Kind. Sondern ich habe das ganz und gar untrügliche Gefühl, dass es jetzt aber ganz ganz ganz ur dringend an de Zeit ist, Aschenputtel mit dem Harten und dem Zarten zu spielen.

Also – die Schuhe vom Herbst anprobiert. Und sofort gesehen: Da muss wohl die Ferse ab. Oder die Zehe. Wie im Märchen, denn die Jungs sind passtechnisch leider in die Kategorie „böse Stiefschwestern von Aschenputtel mit viel zu großen Füßen für die zarten Schucherl“-Fraktion einzuordnen. Will ich dann aber doch nicht machen. Wegen putzen und so. Daher Plan B gewählt und der ist irgenwie genauso schlimm: Wir gehen einkaufen. Schuhe einkaufen. Mit zwei Rüpel-Rabauken-Wackelzahnpubertät-Trotzkopf-Jungs. An einem Samstagvormittag in Wien.

Wer Kinder, Wien und Einkaufs-Samstagvormittage kennt, weiß: Das ist eher eine sauschlechte Idee. Aber manchmal gibt es keine Alternative. Also in den Achtung-Wir-Verlassen-Das-Haus-Modus gewechselt: Frühstück (alle), Anziehen (ich alle). Zähne putzen (der Zarte und ich), oder ihnen zumindest die Zahnpasta zeigen (der Harte). Lulu gehen (ich). Und nur 1 1/2 Stunden später sind schon on the road. Und in der Schnellbahn, unterwegs zum Schuhgeschäft unseres Vertrauens. Denn ich weiß nie, welche Größe die Jungs genau brauchen und bin sozusagen von den Verkäuferinnen und ihren geeichten Augen abhängig.

9:30. Das Geschäft hat seit einer Stunden geöffnet und ist brechend voll. Wahrscheinlich sind wir nicht die einzigen, die vom Frühling überrascht und überrumpelt wurden. Die Jungs sehen sich an, ziehen sich Jacke, Haube und Schuhe aus und zeigen sich von ihrer wohl einprägsamsten Seite. Wie eine Reinkarnation von Bud Spencer und Bruce Lee hauen sie einander abwechselnd mit der Faust auf den Kopf und wehren sich gegenseitig mit meisterhaften Taekwondo-Sidekicks ab. Super. Nicht.

Also, die zwei auf die Bank gesetzt und ihnen das Handy mit einem Video in die Hand gedrückt. Nach nur wenigen Minuten werden sie fies gestört – die Schuhverkäuferin ist da und misst die Füße ab. Dann entschwindet sie und lässt mich mit zwei Größenangaben und einer undeutlichen Handbewegung  in Richtung Regal stehen. Auch recht. Dann ran an die Schuhe. Zwei Paar ausgesucht, schnell probiert und ab zur Kassa. Leider muss ich die Kids dahin mitnehmen. Diese nutzen die Zeit, um sich ein bisschen locker zu machen: mit Stoß- und Tretübungen. Ur leiwand. Ich rücke unauffällig ab  und versuche mit dem Fußboden zu verschmelzen, gemäß dem Motto: „Die da? Ne, die gehören nicht zu mir. So unerzogen, diese Kids.“ Endlich sind wir dran, können zahlen und ich verlasse mit zwei tretenden Kindern, einem Luftballon und den Schuhkartons den Laden. Meine Frühlingsgefühle wallen wieder hoch. Und das siedenheiß: Irgendwas zwischen Hass auf den Frühling, der mir diesen Vormittag beschert hat und Verzweiflung pur. Denn in diesem Moment ist mir eingefallen, die Jungs, die brauchen auch neue Jacken. Und das Schicksal lacht mich aus.

 

 

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